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Was Ärzte jetzt über die Gesundheitsapp Vivy wissen sollten

Die App Vivy ist mit großer Aufmerksamkeit gestartet. Mit einem Schlag sollen mehr als 13,5 Millionen Versicherte von einer elektronischen Gesundheitsakte profitieren. Auf den ersten Blick klingt das wie ein wichtiger und sinnvoller Schritt zur Digitalisierung des Gesundheitssystems. Hier lesen Sie, was Ärzte jetzt über Vivy wissen sollten.

Wie funktioniert Vivy?

Patienten können die App Vivy bei Google Play oder beim Apple App Store kostenlos herunterladen. Nachdem sie sich identifiziert haben, können Sie Ärzten eine Einwilligung dafür geben, dass diese Gesundheitsdaten auf die Plattform laden. Ab Ende des Jahres soll dies über über die KV-Connect Schnittstelle für Mobilgeräte der KV Telematik GmbH möglich sein. Anfang kommenden Jahres wird es dann auch eine Schnittstelle in der Praxissoftware Medatixx geben, aus der heraus Gesundheitsdaten verschlüsselt an Patienten mit Vivy-Akte schicken können. Patienten können über Vivy ihre medizinischen Unterlagen anfragen. Ärzte sind dazu verpflichtet, diese kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Sie sind allerdings nicht dazu gezwungen, dafür die Vivy-Akte zu nutzen.

Wer macht mit?

Insgesamt beteiligen sich derzeit 14 Krankenkassen, unter anderem DAK-Gesundheit, IKK classiv, IKK Nord, sowie die privaten Krankenversicherungen Allianz Private Krankenversicherung und Barmenia an der Plattform. Umfasst sind rund 13.5 Millionen Versicherte.

Was wird gespeichert?

Tendenziell können alle gesundheitsrelevanten Daten gespeichert werden. Also jeder Arztbesuch, jedes Röntgenbild, Medikamente, Allergien. Ergänzt werden können diese Daten aber auch durch  selbst erhobene Daten von Fitnessarmbändern. Die App kann an Arzttermine, Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen erinnern. Und kann auf mögliche Wechselwirkungen, wenn man zusätzlich zu verordneten Medikamenten noch rezeptfreie Arznei nehmen möchte, hinweisen.

Ist die App sicher?

Die Daten, die bei Vivy gespeichert werden, können nur über eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung eingesehen werden. Das heißt, dass nur der Patient mit der entsprechende App die Kontrolle über die Unterlagen hat. Er kann diese dann gegebenenfalls Dritten gegenüber freigeben, etwa weiteren behandelnden Ärzten oder einem Krankenhaus gegenüber. Weder der Cloud-Dienst noch die beteiligten Krankenkassen können diese Verschlüsselung umgehen. Die App ist vom TÜV Rheinland zertifiziert und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte als Medizinprodukt zugelassen. Allerdings wird von Experten kritisiert, dass der Quellcode der App nicht offengelegt wird. So müssen Nutzer darauf vertrauen, dass auch tatsächlich sicher verschlüsselt wird. Allgemein kontrolliert werden kann dies nicht. Zudem wird kritisch hinterfragt, wie der auf dem Handy hinterlegte Schlüssel geschützt wird, der für den Zugang zur Plattform gebraucht wird. Schließlich sind Mobil-Funk-Geräte in der Regel nicht so gut vor fremden Zugriffen geschützt wie stationäre PC oder Laptops.

Falls der Patient fragt, was soll man ihm raten?

Tatsächlich verspricht die App, sofern sie sich in der Realität bewährt, einen großen Nutzen. Die Risiken, die Gesundheitsdaten eine Siebtels der Bevölkerung bei einem Anbieter zu hinterlegen, sind allerdings nicht zu unterschätzen. Klären Sie ihn über die Vorteile aber auch über die Risiken umfassend auf. Wichtig ist, dass sich der Patient bewusst entscheidet – und nicht in das System hineingedrängt wird.

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